Samstag, 14. November 2020

Schlagfertigkeit: Was wir von alten Meistern lernen können (Teil 2)

Sind Sie auch begeistert von Personen, die auf jeden Angriff eine Antwort parat haben. Oder wenn der Talkmaster den Gast zum Kochen bringt, indem er Übertreibungen gegen-formuliert? Wo kann man so etwas lernen?

Wer ein bisschen in der Literatur sucht, wird auf einen sehr alten Klassiker stoßen. In Arthur Schopenhauers Briefen zur eristischen Dialektik geht es um die Ursache-Wirkungsketten in der rhetorischen Auseinandersetzung.

Eristik, was ist das für ein Begriff? Er leitet sich ab von „Eris“, der Göttin der Zwietracht und des Streits. Eristik ist nämlich die Kunst des Streitgesprächs und bedient sich ein wenig der Dialektik von Aristoteles. 

Schopenhauer nennt es selbst die "Kunst, Recht zu behalten". Wahrscheinlich ist es genau das, was uns heute als Schlagfertigkeit fasziniert. 

Das Original-Werk ist nicht nur sehr umfangreich sondern ebenso abstrakt. Nicht gut zu lesen. Ich möchte Ihnen deshalb in loser Folge die Ideen Schopenhauers hier nahe bringen. 
 


 

Im ersten Teil haben wir die Themen
Argumentiere zu Sache (ad rem) und
Argumentiere persönlich (ad hominem, zu den Ausführungen)
behandelt. 
 
Heute geht es um zwei weitere Themen. 
 
Kunstgriff 2: Die Homonymie benutzen, um die aufgestellte Behauptung auch auf das auszudehnen, was außer dem gleichen Wort wenig oder nichts mit der in Rede stehenden Sache gemein hat,  dies dann lukulent widerlegen, und so sich das Ansehen geben, als habe man die Behauptung widerlegt. 
(Anmerkung: Synonyme sind zwei Worte für denselben Begriff: – Homonyme zwei Begriffe, die durch dasselbe Wort bezeichnet werden) 
 
Beispiel:

A: Sie sind noch nicht eingeweiht in die Beeinflussungsmöglichkeiten der Rhetorik?

B: Ach, wo Beeinflussung ist, davon will ich nichts wissen.

 
 
Kunstgriff 3: Die Behauptung welche relativ aufgestellt ist, nehmen wir, als sei sie allgemein oder absolut. Diese bringen wir in eine ganz andere Beziehung, um sie dann in diesem Sinne widerlegen.

Beispiel:

Finanzminister: Ich strebe für 2021 nach Maßgabe der Lage einen rückläufigen Haushalt an.
Opposition (nach Corona): Der Finanzminister macht, wie erwartet, ordentlich Schulden.
Finanzminister: Die Opposition vergleicht mal wieder Äpfel mit Birnen.

 

 


Dienstag, 9. Juli 2019

Rhetorikclub Potsdam am 11.12.2019

Liebe Freunde des gesprochenen Wortes,

am 11. Dezember 2019 ist es wieder soweit. Ich darf Sie an diesem Tag von 16:00-19:00 Uhr zum nächsten Rhetorik-Club herzlich einladen. 


Lassen Sie uns die Sinne für präzise Worte weiter schärfen.
Ich schlage vor, dass wir folgende Methoden aufgreifen:


  • Fortsetzung zur Arbeit mit Bildern und Pausen in Präsentationen,
  • Füllworte in der Kommunikation gekonnt einsetzen.

Über Ihre weiteren thematischen Vorschläge freue ich mich wie immer, natürlich gern auch spontan.

Treffpunkt ist bei der AMM GmbH in der Wetzlarer Straße 86 in 14482 Potsdam (hinter Katjes, über Kieser-Training, 3. OG)!


Mit freundlichen Grüßen von


Stefan Schwarz

Mittwoch, 5. September 2018

Rhetorikclub Potsdam am 12.06.2019

Liebe Freunde des gesprochenen Wortes,

am 12. Juni 2019 ist es wieder soweit. Ich darf Sie an diesem Tag von 16:00-19:00 Uhr zum nächsten Rhetorik-Club herzlich einladen. 


Lassen Sie uns die Sinne für präzise Worte weiter schärfen.
Ich schlage vor, dass wir folgende Methoden aufgreifen:


  • Fortsetzung zur Arbeit mit Bildern und Pausen in Präsentationen,
  • Eristik in der Kommunikation.

Über Ihre weiteren thematischen Vorschläge freue ich mich wie immer, natürlich gern auch spontan.

Treffpunkt ist bei der AMM GmbH in der Wetzlarer Straße 86 in 14482 Potsdam (hinter Katjes, über Kieser-Training, 3. OG)!


Mit freundlichen Grüßen von


Stefan Schwarz

Montag, 30. Juli 2018

Rhetorik von den alten Meistern lernen (1)

In der Rubrik Rhetorik von den alten Meistern lernen widmen wir uns heute: Cicero. 




Er lebte von 106-46 v.Chr und studierte Rhetorik, Philosophie und Literatur in Rom.

Aufgrund seiner Erfahrungen als Redner sah Cicero sein Bildungsideal als den perfekten Redner an. Er bezeichnete ihn als "orator perfectus".
 

Und so sah Cicero die ganzheitliche Bildung für seinen orator perfectus in drei Kriterien verwirklicht:


1. natura: die natürlichen Anlagen des Menschen wie Intelligenz, Beweglichkeit und körperliche Vorzüge, 

2. ars: die Kenntnis der theoretischen Grundlagen der Rhetorik, 

3. exercitatio: die nötigen Übungen um die geistigen und körperlichen Fähigkeiten zu trainieren, die für die Rede von Bedeutung sind.

Zudem müse der perfekte Redner über jedes Thema reden können, also ebenso in der Philosophie gebildet sein, um den Redner in seiner Funktion als Darsteller und Gestalter der Wahrheit zu rechtfertigen.

Seine Reden dürfen ausschließlich im Dienste des Guten gebraucht und können nur so verantwortet werden, womit klar wird, dass die Ethik einen hohen Stellenwert bei Cicero hat (Quelle: Wikipedia).

Meine Anmerkung dazu: viele Führungskräfte habe da einen zum Teil gewaltigen Nachholebedarf. Spannend wird es, wenn neue Techniken wie Videobotschaften, noch stärker zum Einsatz kommen. 

Wir setzen diese Folge fort!







Sonntag, 8. Juli 2018

Wie der Vorwurf „Lügenpresse“ entsteht

Ich traute meinen Augen kaum. Das stand in der Überschrift sinngemäß „Hund in der Hitze im Auto gelassen - was hat  Helene Fischer damit zu tun“. Natürlich hat Helene Fischer damit nichts zu tun.  Aber es macht sich doch in so einer Titel-Überschrift prima, wenn der meistgesuchte Künstlername Deutschlands dort auftaucht.

Es ist noch nicht solange her, dass aus politischen Gründen Menschen auf die Straße gingen und den Medien den Vorwurf „Lügenpresse“ zugerufen haben. Seriöse Journalisten waren ratlos, die wirklichen Urheber haben sich still verhalten.

Worum geht es? In jedem Rhetorikkurs und jeder Journalistenschule beschäftigt man sich mit dem Thema des Titels und seiner Ausdrucksweise. Und vor allem: der daraus entstehenden Wirkung. Es geht darum, eine möglichst große Aufmerksamkeit des Publikums oder der Leserschaft zu gewinnen.

Wir bezeichnen es übrigens als Druckpunkt der Kommunikation. Doch die Kreation von wirkungsvollen Titeln darf den Rahmen der wahrheitsgemäßen Logikkette nicht verlassen. Überschrift und die ersten vier Sätze müssen den Inhalt wiedergeben!

Was aber, wenn die mediale Kommunikation glaubt, nur durch bedingungsloses Folgen nach Such-Algorithmen bestehen zu können?

Was hat also Helene Fischer mit einem Besucher zu tun, der ihr Konzert besucht und im Auto seinen Hund lässt? Natürlich nichts. Wer käme wohl auf die Idee eine Überschrift zu entwerfen wie: „Mann lässt Hund im Auto. Was hat Penny damit zu tun?“, nur weil das Fahrzeug auf einem Penny-Parkplatz stünde? Wahrscheinlich niemand.

Je größer die Reputation der einzelnen Begriffe in zentralen Botschaften, desto größer die Klickzahl und gegebenenfalls auch die finanzielle Werbequote. Wenn die Logik dabei verletzt wird, dann wird auch der normale Konsument zum großen Kritiker. Auf gut deutsch: das Volk fühlt sich „verarscht“, bestenfalls getäuscht und antwortet mit dem Vorwurf der „Lügenpresse“. Und dann ist dieser Vorwurf auch nicht von der Hand zu weisen.

Bleiben wir also (hoffentlich) gut, bescheiden aber vor allem eins: ehrlich.

Hier geht es zu drei Nachweis-Links:

https://www.tag24.de/nachrichten/gelsenkirchen-hund-leidet-bei-hitze-im-auto-besitzer-auf-konzert-von-helene-fischer-674591

https://www.wa.de/stars/ruecksichtslose-helene-fischer-fans-sorgen-fuer-stadiondurchsage-und-polizeieinsatz-in-gelsenkirchen-zr-10015151.html

https://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/helene-fischer-konzert-schalke-arena-gelsenkirchen-hund-feuerwehr-id214777315.html







Dienstag, 2. Januar 2018

Rhetorikclub Potsdam am 27.06.2018

Liebe Freunde des gesprochenen Wortes,
am 27. Juni 2018 ist es wieder soweit. Ich darf Sie an diesem Tag von 16:00-19:00 Uhr zum nächsten Rhetorik-Club herzlich einladen. 


Lassen Sie uns die Sinne für präzise Worte weiter schärfen.
Ich schlage vor, dass wir folgende Methoden aufgreifen:


  • Fortsetzung zur Arbeit mit Bildern und Pausen in Präsentationen,
  • Eristik in der Kommunikation.

Über Ihre weiteren thematischen Vorschläge freue ich mich wie immer, natürlich gern auch spontan.

Treffpunkt ist bei der AMM GmbH in der Wetzlarer Straße 86 in 14482 Potsdam (hinter Katjes, über Kieser-Training, 3. OG)!


Mit freundlichen Grüßen von


Stefan Schwarz

Dienstag, 31. Oktober 2017

Martin Luther und die Rhetorik

Wir verbinden mit Martin Luther die Reformation. Heute genau wurden vor 500 Jahren wurden die berühmten Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen.

Im Frühjahr 1501 begann Luther sein Studium an der Universität in Erfurt. Er besuchte wie im Mittelalter üblich zunächst die Artistenfakultät, die Grundkenntnisse in Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie vermittelte. Im Januar 1505 schloss Luther mit dem „Magister artium“ seine akademische Grundausbildung ab. 

Wir kennen Luther dann als Universitätsprofessor, wohl als einer der berühmtesten zu seiner Zeit auf der Welt. Er beschäftigte sich mit den Finanzierungspraktiken der Kirche, die sich auf den Ablass stützten. 

In diesem Blog ist es für uns aber auch interessant, dass Luther in seiner Universität auch selbst Rhetorik gelehrt hat. Seine Berühmtheit geht nicht nur auf seine Schriften zurück, sondern auch auf Auseinandersetzungen im gesprochenen Wort im Kontext seiner reformatischen Gedanken.

Luther war mit dem Volk vertraut und sprach volkstümlich, jedoch ohne Populismus. In seinem Grundstudium hatte er in den "Sieben freien Künsten" Rhetorik und Dialektik studiert, in Disputationen seine Argumentationsfähigkeit und Schlagfertigkeit gezielt geschult. In seinen seinen Vorlesungen und Predigten verwendete Luther meist eine Stichwort-Gliederung. Um Studenten und die Gemeinde präzise zu beeinflussen, benutzte er eine Sanduhr zur Zeitkontrolle.

Luther beherrschte verschiedene Redeformate. Neben der Predigt natürlich die Vorlesung und die Disputation mit Fachkollegen. Er wandte die Verteidigungsrede genauso an, wie die Polemik. Auch das geistvolle Tischgespräch gehörte zu seinem Repertoire.

Der Zusammenhang zwischen seinen Schriften und seinen Predigten macht deutlich: Sprechen und Schreiben, Schreiben und Sprechen bilden bei Luther eine Einheit. Ausgangspunkt ist dabei durchweg die gesprochene Sprache.

Geblieben sind viele Aussprüche, die auf ihn zurückgehen sollen. Stellvertretend sei der für die Grundsätze der Rhetorik genannt:

"Tritt fest auf, mach`s Maul auf und hör`bald wieder auf!"



"